Leibhaftiges Weihnachten?!



Guten Tag, ich bin der Leibhaftige.

Manche von Ihnen kennen mich auch unter dem Pseudonym Satan, Diabolo oder Teufel. Luzifer und Mephisto klingen auch recht schmeichelnd in meinen spitzen Öhrchen. Äusserst erregend finde ich jedoch den Anruf von Euch, der da lautet:


Toi-Toi-Toi!
Ganze drei Mal ruft Ihr mich somit an!
Toi
fel - Toi - fel - Toi fel!

Ahhhh... Welch Wonne in meinem Inneren!
Diese Anbetung an mich! Geil!


Sie fragen sich sicher warum ich hier schreibe?

Ganz einfach:


Ich will für Sie endlich einmal nach so langer Zeit ein Missverständnis aufklären.

Ja! Extra nur für Sie! Das haben Sie sich verdient, ehrlich! Na, na, na! Nur nicht so skeptisch!

Ich mache Sie doch reich - täglich sogar.
Merken Sie das etwa nicht? Achten Sie in Zukunft darauf! Ich bin ganz nahe bei Ihnen!


Kommen wir zu meinem Hiersein zurück:

Im Grunde können Sie mir für alles, was Sie ankotzt, die Schuld zuschieben. Ist so. Ich nehme das sehr gerne auf mich.

Nehmen wir irgendwelche Katastrophen als Beispiel. Na?
Wem schieben Sie die Schuld zu? Mir natürlich!

Gerne nehme ich auch die Schuld bei einem Krieg, bei einem Unfall oder bei einem Verbrechen auf mich. Das machen alles nicht Ihr, die Menschen, oh nein!


Das mache alles ich!
Das sind Kleinigkeiten für mich.
Echt wahr!


Woran ich aber total unschuldig und zwar unschuldiger als unschuldig bin, das nennt sich Weihnachten! Gut, zugegeben, da gestalten meine zarten Fingerchen zwar schon bei wundervollen Begleiterscheinungen mit, ich erwähne da nur den Preiskrieg an der Glühweinfront, oder die immer wieder kehrende Geschenkeschlacht bei Ihrem Familienfest. Beim Komasaufen und beim großen Festfressen beim Besuch Ihrer Omma.

Da bin ich voll dabei. Das muss aber nicht sonderlich erwähnt sein, denn den Zinnober schenke ich Ihnen eh alles. Ist doch klar, oder?

Das ist schliesslich das Fest der Liebe.

Die Wurzel von dem ganzen Übel, also die von diesem Weihnachten, das hat der Alte da oben selbst verbockt! Doch! Ist so!

Wenn ich Ihnen sage! Hören Sie mal! Ich muss das doch wissen, denn ich selbst wollte doch dem Alten da oben in die Suppe spucken - damals, vor... ähm.... vor.... ach ja, vor 2000 Jahren!


Mönsch, wie die Zeit vergeht. Ist das schon so lange her? Egal!

Auf alle Fälle hatte ich vor, dass diese, wie hiess die noch mal... irgendwas mit M... Miri... ne! Mu... auch nicht.... Moni.... ach nein... klingt auch nicht.....

Ah! Jetzt fällt es mir wieder ein: Maria!
Also dass diese Maria eine Lehrstelle als Näherin in Nazareth bekommt. Ja. Das wollte ich. Damals!

Die Tussi war schon so knapp davor, diesem Dödel Josef den Laufpass zu geben, da schwängert der Alte da oben doch die Kleine.


Ist wahr! Wenn ich Ihnen das sage!
Mir können Sie
glauben.

Und weil es nicht genug war, quatschte noch diese Goldlocke von Gabriel auf diese Maria so lange ein, bis die sich diesen Josef schnappte um auf eine Volkszählung nach Bethlehem zu latschen.

Ich frage Sie:
Tickten die noch ganz sauber - damals?

Aber Sie kennen mich ja! Ich gebe nie auf. Nie!
Ich? Niemals! Auch damals schon nicht. Ja, ja, ich habe lange Zeit Übung in den Dingen, die ich vorbereite - auch für Sie.


Wieder zurück zu denen von Damals.

Ich alleine, jawohl, ich... ich trug damals Sorge dafür, dass diese beiden in keiner Herberge ein Zimmer bekamen und ich schickte diese drei Onkels zu diesem König Herodes von Judäa. Als der erfuhr, dass sein eigener Nachfolger geboren werden sollte... also was Herodes damals vom Stabel ließ, ne!

Das kann ich hier nicht offen sagen!

Um es jedoch mit den Worten seiner Verwandten in England auszudrücken:


I am not amused!

Dieser Herodes war also damals so erfreut über die Nachricht, dass er auf mein Kommando hin, ein Massaker an allen Neugeborenen durchzog. 

War schon klasse!

Wie die da so hilflos wimmerten, diese Kleinen und diese Mütter erst!


Lassen wir das mal ausser Acht. Leider hat der Alte da oben auch so seine Tricks – und dieser sein Sohn überlebte!

Sie? Der bekam sogar eine
Party on the Heu geschmissen!

Echt wahr! Wow! Das Ding war der Knüller. So richtig Ramba - Zamba. So eine Art
First Night Show. Als damals der Letzte total besoffen die Party verliess, war die Urform vom Kapitalismus fertig.

Naja. Glotzen Sie doch nicht so dämlich. So nennt sich doch die bei Ihnen herrschende Religion, oder etwa nicht?

Leute! Begreift doch. Ich habe nicht versagt!
Ganz im Gegenteil.


Schaut doch im Heute Euer Weihnachten an:

Der Oppa wird im Altersheim vor lauter Stress vergessen, die Omma wird mit neer Pulle Alk beglückt, nur damit sie endlich schläft und keinen Zoff wegen dem Erbe, das Sie sich ausrechnen, macht. Sie müssen noch dieses und jenes Geschenk kaufen, denn was soll die Verwandtschaft bloss von Ihnen denken? Das Tannenzeug muss auch noch gekauft werden und muss ja auch noch klitzern, gelle?

Sie sind ja noch so blöd und merken nicht mal, dass Ihnen auf meine Veranlassung hin nach einer Nacht Oh Dannepaum der Ihnen sogar die Bude vollnadelt!

Ist echt super, wenn so ne Hausfrau dann auf allen Vieren rumkriecht um die Nadeln aus den Teppichschlaufen zu fischen.

Nur, das ist alles harmlos verglichen mit der Vorstellung von vor ... wann war das noch mal? Ach ja. 2000 Jahren!

Da hat sich doch der Alte da oben echt was einfallen lassen. Ich meine damit diese ursprüngliche Vorstellung vom Bescherungsritual.


Wie?
Kennen Sie nicht?
Wissen Sie nicht?
Echt nicht?


Bei denen ihren Parties damals fehlte nie ein Brandopfer. Nie!

So ein Brandopfer - lassen Sie das vor Ihrem geistigen Auge einmal vorrüber ziehen, solch ein Brandopfer!


Haben Sie ein solches Brandopfer vor Ihrem geistigen Auge?
Ja? Prima. Sehen Sie es vor sich? Ja? Wie es da liegt. Sehen Sie es?

So ein Brandopfer war nicht unbedingt schon vorher tot, gelle! Die lebten noch. Einige zumindestens. Die wurden lebend gebrandopfert.


Dann sehen Sie auch wie es beginnt zu zündeln.
Sehen Sie es? Ja?

Jetzt hören Sie mal genau hin.
Hören Sie, wie diese Brandopfer vor Schmerzen aufschreien, wie sie sich aufbäumen in den Flammen?

Riechen Sie mal.
Riecht doch geil, oder?

Mh... so ein Brandopfer....
Das war der Schokospringbrunnen im Jahre Null!

Nun stellen Sie sich mal ein Weihnachten vor, an dem Sie Ihr erstgeborenes Kind oder mindestens ein geliebtes Haustier zum Gedenken an die Wunder von dem Alten da oben verfeuern müssten!

Wissen Sie, wie Sie dann Ihrem Nachbarn am nächsten Tag im Treppenhaus begegnen würden? Nee? Sie wissen es nicht? Echt nicht?

Ich sags Ihnen:

Oh, fröhliche Weihnachten Herr Meier!

Ja, danke Frau Schuster, Ihnen auch. Weil ich Sie gerade sehe: Bräuchten Sie gebrauchte Unterwäsche für einen Jungen?

Klar, immer her damit! Ach... da fällt mir ein: Hätten Sie Verwendung für ein gebrauchtes Hundehalsband?

Den Mist hätten Sie garantiert auch verinnerlicht und nachgelebt! Ist doch so. Heute ist es nichts anderes. Sie als Mann zum Beispiel glauben ja auch, dass Dessous in Black ne sexy Geschenkidee wären oder Sie als Frau glauben ja fest daran, dass nur Ihr Braten am Besten schmecken würde.

Sie sind ja so blöd und hassen mich nicht einmal!

Warum eigentlich nicht?

Ich frage Sie allen Ernstes:

Warum hassen Sie mich nicht?

Seit Jahren quäle ich mich mit dieser Frage herum und niemand konnte sie mir beantworten.

Sie tun ja sogar das Gegenteil:

Sie lügen, betrügen, Sie missachten Mitmenschen, Sie lästern den Alten da oben, Sie schlagen Ihre Kinder, Sie betrügen Ihre Ehefrau, Sie zahlen keinen Unterhalt an Ihre Kinder, Sie verurteilen Menschen, Sie sind voll mit dabei, wenn über jemanden hergezogen wird, Sie zahlen Ihre Schulden nicht ab, undsoweiterunsofort.

Im Grunde beten Sie mich mit solchen Machenschaften ja noch an!

Aber ich brauche Ihre Antwort nicht. Ich habe sie mir selbst beantwortet, die Frage, warum sie mich nicht hassen!




Wollen Sie es wissen? Ja?
Wollen Sie wirklich wissen, warum Sie mich nicht hassen?






2011 mahlemiuts leibhaftiger fragezeichen






Weil Sie es nicht einmal bemerken,
dass es ohne Zuwendung zu Gott
keine Abwendung von mir geben würde!





Aber was erzähle ich Ihnen? Sie wissen eh alles besser!