Erziehungsmythen
Um einmal einen anderen Gedanken fassen zukönnen, ausser nur stets die Suche nach dem Kern, heute einmal ein Abschnitt, der sich mit dem heutigen Malamute beschäftigt.
Hierfür bedürfte es folgendes Wissens:
im deutschsprachigen Raum gibt es zeitlich gesehen, noch nicht sehr lange die nordische Rassen.
Schweizer sind mit ihren Berghunden aufgewachsen, Deutsche mit ihrem Schäferhund und ab den 70igern, als Beispiel, mit dem Modehund der Rasse Pudel. Doch einen tiefen Einblick in die malamutische Rasse, somit in den Charakter oder auch in das Verhalten, das hatte so keiner recht. Damals.
Danach kamen sie, die Malmuten, ganz langsam auf den Markt.
Es war es für die Menschen auch immer einfach einen
Mythos zuverbreiten, als sich mit der Sache an für
sich zubeschäftigen. Es begann die Spirale des
Nichthinterfragens, sondern die Spirale des
Nachplapperns drehte sich unaufhörlich, aber sicher
weiter.
So besteht heute diese Rasse aus Mythen.
Die Züchter dieser im deutschsprachigen Raum recht
jungen Rasse schienen bei näherer Betrachtung
entweder keine Hundeerfahrung zuhaben, oder aber
auch, sie interessierte es schlichtweg nicht, was
eigentlich hinter der Kulisse Hund der Rasse Malamute
zu sehen wäre.
Bis weit in die Jahre 2000 / 2003 konnte man als
Interessent dieser Rasse folgende Worte hören bzw.
lesen:
Diese Rasse
lässt sich nicht erziehen!
Doch ein Malamute ist reduziert betrachtet nur ein
Hund.
Aufgrund dieser Tatsache er sich auch erziehen lässt,
oder nicht?
Man könnte diesen Gedanken verstehen, wenn man in die
Zuchtstätte eines Züchters schauen würde.
Dort tummeln sich viele Hunde, und worauf der Züchter
keine Zeit haben kann, sich um die “Erziehung” eines
Hundes zukümmern, erhält der Mythos seinen eigenen
Raum ohne die Frage:
Wie hätten Sie denn
gerne Ihren Hund?
Der Hund soll fressen, saufen, ruhig sein, arbeiten
und noch vieles mehr, nur, das wird in einer sehr
guten Zucht schon vor der Verpaarung zweier Hunde
gesehen und zwar vom Züchter und nicht erst vom
späteren Besitzer dem Hund “anerzogen”.
Warum aber
propagieren Züchter jedoch ihre Produkte als
“sozialisiert” an, wenn sich das Produkt nach eigenen
Aussagen nicht erziehen lässt?
Erstaunlicherweise konnten nämlich die
Besitzer ihren nordischen Hund sehr wohl erziehen.
Die nächste Frage, die sich aufgrund
der sogenannten vielgepriesenen Nichterziehung
stellt, ist doch die, wie sollte ein Hund in einem
Gespann laufen, wenn er nicht lernen könnte?
So würde ein Leader doch niemals das Kommando
"rechts" oder "links" lernen können!
Erstaunlichweise gibt es aber Leader in einem
Gespann!
Wie bitte wird nun das
Hobby des Schlittenhundefahrens ausgeübt, wenn keiner
der Hunde sich erziehen lassen würde?
Die Bombe platzte, als im Jahre 2005 eine blinde
junge Frau ihren Siberian Husky als Blindenführhund
ausgebildet und der deutschen Schlittenhundeszene
vorstellte. Selbsternannte Schlittenhundeexperten
"zerrissen" leider diese junge Frau derart psychisch,
so dass sie sich nicht mehr in ein deutschsprachiges
Forum traute. Die selbsternannte "Elite" hatte ihren
Spielplatz zurückgewonnen, ohne sich weiter darum
zukümmern.
Der aufgebaute
Mythos über die nordische Rassen im Allgemeinen blieb
weiter bestehen.
Parallel hierzu kamen die ersten Malamuten als
Behindertenbegleithunde auf den Markt. Man denke
bitte an Kriegsgebiete, in denen der Friede einkehrte
und einige Malamuten dort ein neues zu Hause als
helfende Vierpfoter fanden.
Parallel hierzu entstanden jedoch immer mehr Stimmen,
die zugaben, nordische Hunde im Besitz zuhaben, die
ihren Menschen mit Handicap im Alltag begeleiteten.
Da dieses offiziell nicht gewünscht war, auch dieses
nicht hinterfragt wurde, somit einen Ausschluss von
Mitmenschen vorprogrammiert war, wurde diese Nische
positiv genutzt. Man konzentrierte sich wieder auf
die Arbeit hinsichtlich Zucht und Ausbildung von
Malamuten für Menschen mit Behinderung.
Erstaunlicherweise schossen wie Pilze jedoch parallel
die sogenannten Therapie- und Behindertenbegleithunde
anderer Rassen aus dem Boden und so manch
selbsternannter
Therapieguru machte seinen Reibach am Geschäft mit
"Hund und Mensch".
Ganz im Stillen, sehr unbemerkt
aber, taten sich
Züchter im Ausland zusammen, und züchteten
eine Linie, gerade innerhalb der Malamuten, die sich
hervorragend zu Behindertenbegleithunden eigneten.
Der kleine, sehr kleine, aber helfend delikate Kreis
schloss sich abermals.
Weltweit!
Auch deutsche Züchter hatten solche “Perlen” der
Rasse Malamuten im Kennel, gaben diese aber für
billiges Geld weg, interessierten sich nicht für die
Argumentation, dass sie einen Malamuten züchten, der
weit aus mehr kann, als nur pure Zugarbeit. Die
Geldzeichen in den Augen waren diesen
Züchtern wichtiger, als sich den Argumenten von
Menschen anzunehmen, die unter Umständen ein klein
wenig Wissen über ein solches, einem anderen, Gebiet
verfügt hätten.
Vom Kynos Verlag unterstützt und gefördert, sprengt
diese Tatsache heute noch die menschlichen Denkweisen
ganz nach dem Motto:
Das, was wir nicht
kennen, gibt es nicht, somit dulden wir es
nicht!
Es wird sogar von Menschen sehr viel Energie
verschwendet, um aus dem Ausland dargestellte,
der nordischen Hunderasse angehörigen Hunde, als
spezielle Therapie- oder Behindertenbegleithunde
herabzusetzen und somit augenscheinlich
in die Lächerlichkeit ziehen.
Das Fatale an dieser Stimmungs-, und somit
Meinungsmache:
Die Masse glaubt es
auch noch!
Die Stimmungsmacher produzieren somit ein Bild in der
eigenen Öffentlichkeit, die schlussendlich
Behinderten keine Hunde zuspricht und diese Dimension
darf man sich gerne in den Hirnwindungen
herunterlaufen lassen!
Polen, Tschechei, Frankreich, Skandinavien, Kanada,
Südamerika, Israel und noch andere Nationen beweisen
das Gegenteil:
Malamuten als Behindertenbegleithunde-und
Therapiehunde, die nicht nur die Tür auf
Menschenwunsch öffnen können, sondern auch ihren
Menschen auf Trainingswagen, Fahrrad, oder auch dem
Schlitten ziehen.
Ein Malamut ist auch "nur ein Hund", kann somit wie
jeder andere Hund erzogen werden, denn am anderen
Ende der Leine befindet sich ein psychologisches
Phänomen:
ein
Mensch.
In den Köpfen von diversen Menschen ist folgendes
fest verankert:
Funktion!
Ein Schlittenhund hat "zu funktionieren", wenn nicht,
kommt er weg.
Ein Lebewesen ist zu einer Ware degradiert worden und
zwar vom Menschen selbst. Der Mensch sollte inne
halten, denn im Grunde stülpt er das über, was er
selbst nicht leisten kann, unter dem er selbst
tagtäglich leidet, nämlich:
Funktionalität!
Das andere Phänomen ist,
dass der Hund im Allgemeinen zu einem
Baby, also einer "Vermenschlichung höchstem Grade" mutiert ist.
Dem Tier wird ein eigenes,
menschliches Defizit aufgestülpt, mit der Erwartung,
dass dieses Tier dieses Defizit nun auffüllt.
Erziehungsmässig ein Unding,
das scheitern muss, da ein Hund ein Hund ist und niemals wie
ein Mensch
reagieren kann und wird.
Daraus resultieren auch Unmengen von
Situationen, die die betroffenen
Menschen nicht mehr einordnen können, da
sie eine völlig verschrobene Wahrnehmung im Bezug auf
ihr eigenes Lebewesen haben.
Das Tier jedoch, ob es nun "funktionieren"
oder auch das "menschliche
Defizit" ausgleichen muss, ist in beiden Richtungen nicht glücklich,
wenn es denn ein Glücklichsein bei einem Lebewesen
geben kann. Alleine das Wort “muss” ist bei näherer
Betrachtung eine Ausübung von Zwang.
Wenn der Mensch seinen Zwang auf ein sich nicht
wehrbares Tier ausübt, wird sich beim Tier
Widerstand breit machen. Probleme kommen auf.
Ist der Mensch dem nicht mehr gewachsen, wird der
Hund schlicht entsorgt, nachdem er den Mythos der
Sturheit auf das Tier erlegt hatte.
Es wird propagiert, dass
ein Malamute nicht erziehbar sei und er wäre
stur.
Warum nur, findet man doch immer mehr Malamuten auf
einem Platz, der einer Hundschule angehört und
warum gibt es sogar Agilityerfolge mit diesen Hunden,
wenn diese Rasse sich nicht erziehen lassen würde?
Die Menschen, die die Mythen über den Malamuten
verbreiten werden über diese Fragen keine Antworten
geben können, sonst hätten sie diese Mythen schon
längst korrigiert. Zumindest bei der Reduktion von
solchen mitgeholfen.
Jedes Lebewesen, auch
ein Mensch, kann sich sehr subtil einer Aufgabe
entziehen.
Das sieht bei dem Lebewesen Hund wie folgt aus:
Sollte einem Hund zuviel mentaler Druck vom Mensch
ausgehend auferlegt werden, so wird der Hund mit
seinen Bewegungen stets langsamer.
Das kann bis hin zur völligen Bewegungslosigkeit des
betroffenen Hundes führen. Das hat nichts mit
Sturheit zutun, sondern schlichtweg mit dem, das
dieses Verweigern eine Kommunikationsebene des Hundes
ist.
Der psychische Druck
ist dem Hund einfach zugross.
Nimmt der handelnde Mensch diesen Druck weg, so wird
der Hund wiederum aktiv.
Nun, ist der Malamute immer noch stur, oder liegt es
nicht doch am Menschen, dieser hundischen
Kommunikationsart der Verweigerung?
Weiter darf im Hinblick dessen nun die Frage gestellt
werden:
Was ist so besonders
an Malamuten innerhalb der
Behindertenarbeit?
Dass er gehorsam und gelehrig ist, sowie ein
gereifter Malamute ruht in sich selbst.
Das ist die ganze Antwort diese Frage. Nicht
mehr und nicht weniger!
Viele werden sicherlich nichts mit dieser Antwort
beginnen können, doch bevor diese Antwort vom Tisch
gefegt wird, sollte diese noch näher bedacht werden.
Es schwirrt auch der Mythos herum,
ein Malamute sei kein Wachhund. Mythos oder
Wahrheit?
Folgende Ansatzerklärung für Ihre Gedanken hierzu:
Wenn in der Einöde ein Fremder ankommt, so schlagen
auch Malamuten an!
Das ist nicht nur reines Begrüssungszeremoniell!
In der ruhigen Einöde sind diese
Laute der Malamuten schlichtweg ein richtiger
Krach.
Ein Malamute hat genauso einen Schutztrieb, wie jeder
andere Hund auch, und vor allem wenn er eine
innerliche Bindung zu seinem Menschen aufgebaut hat.
Dem in der Zivilisation lebenden Malamuten wird doch
wegen der "leidenden" Nachbarschaft das Jaulen und
Bellen aberzogen und wieder die Frage:
“sind diese Hunde etwa
doch erziehbar?”.
Wieder eines von vielen Beispielen,
das den Widerspruch widerlegt, ein Malamute wäre
nicht erziehbar. Ein Malamute kann genauso Sitz,
Platz, rechts, links, langsam, vorran, er kann auf
Kommando Jaulen, er kann Pfote geben, Sachen holen,
er kann sogar toter Hund auf Kommando sein.
Es ist alles nur eine Frage des anderen Ende der
Leine und das andere Ende ist der Mensch.
Somit könnte auch diese Rasse als
Behindertenbegleithund eingesetzt werden.
Oder sehen Sie es immer
noch als Absurdum an?
Wenn ja, warum sehen Sie
es als Absurdum an?
Zwar lebt der moderne Mensch angeblich in einer
Kommunikationsgesellschaft, doch es ist erschreckend
wie wenig der Mensch über Allgemeinbildung verfügt
und da wir uns im Thema Hund bewegen: Es ist
erschreckend, wie wenig der moderne Mensch überhaupt
weiss, was im Allgemeinen ein Hund ist, sowie auf
welchen Kommunikationsebenen er sich bewegt.
Wer nicht selbst der Kommunikation fähig ist, wird
seinen Hund nicht kommunizieren verstehen, somit sind
Fehler vorprogrammiert, in der Sache zwischen Hund
und Mensch.
Doch wie können Menschen in dieser
Informationsgesellschaft etwas über ihren Hund
wissen, wenn sie selbst sich nicht kennen?
Ist das Lebewesen Hund
im
Allgemeinen in der Form, wie wir ihn heute
kennen, hierdurch zum Aussterben bedroht?
Weil der Mensch der eigentliche Versagensmechanismus
ist? Bleiben Sie bitte bei Ihrer ankonditionierten
Meinung, der Malamute wäre nicht erziehbar, aber
bitte, sollten Sie im Besitz eines solchen sein und
sollten Sie Probleme mit Ihrem Hund haben,
gehen Sie nicht in eine Hundeschule, kontaktieren Sie
keinen Tiertherapeuten, denn diese Rasse sei nicht
erziehbar. Ein netter Widerspruch. Einerseits will
der Mensch die Funktion schlechthin, an einer Rasse,
die angeblich nicht erziehbar sei, anderer Seits
sucht er sich externe Hilfe?!
Sehen Sie doch bitte über den Rand Ihres eigenen
Tellers, denn es könnten sich noch Krumen vom Brot
auf dem Tisch befinden! Die Zucht ist
vorangeschritten, innerhalb der Rasse. Wenn auch
viele heute noch der Ansicht sind, ein Malamute würde
nicht "arbeiten", dann mag dieser Mensch sich fragen
lassen, warum kommen die Malamutes immer mehr auf den
Trail von wirklich nicht unerhebliche grossen Rennen
innerhalb der Schlittenhundeszene?
Die Hunde erreichen
sogar das Ziel. Wer hätte das gedacht?
Somit ist dieses verkrustete, alte Denken, ein
Malamute würde nicht arbeiten, neben dem Argument,
die Rasse wäre stur, im Gedankenansatz widerlegt.
Diejenigen Mitmenschen, die diese Rasse immer und
immer wieder durch ihre eigene Meinung, die nicht den
Tatsachen entspricht, in Misskredit bringt, denen ein
herzliches Dankeschön.
Machen Sie weiter so, denn das ist für die Rasse die
beste Reklame, die ihr je widerfahren kann. Jeder
Interessent, der solche Negativkritik miterlebt, wird
sich einer anderen Hunderasse zuwenden, somit haben
die Malamute die Chance ihres Daseins. In stillen,
zurüchgezogenen Bereichen wird der Malamute in einem
wirklichen Kennerkreis zufinden sein.
Die Rasse wird nicht so wie andere nordischen Rasse
womöglich durch die Hochstilisierung zum Modehund
mutieren und diejenigen, die sich als Besitzer an
einem Malamuten erfreuen können, werden sich
genußvoll zurücklehnen können.
Mit einem sehr
süffisantem Lächeln über die doch so wunderbaren
Mythen auf diesem unserem Planeten!
bons apettit
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